Die Grünen und der Veggie-Day

Die Grünen diskutieren weiter über ihren Freiheitsbegriff und versuchen das Wahlkampfdesaster „Veggie-Day“, also die Idee eines fleischfreien Tages in Kantinen, zu verdauen. Mir erscheint das als gute Gelegenheit, hier einen Artikel zu posten, den ich vor vielen Jahren für ein Leipziger Studierendenmagazin anlässlich des ersten fleischfreien Tages in der Mensa geschrieben habe. Die damalige Diskussion (Winter 2010) erinnert äußerst stark an die bundesweite Wahlkampf-Diskussion zum Vorschlag der Grünen, einen Veggie-Day einzuführen. Die folgende Analyse ist daher weiterhin hochaktuell.

Übrigens (das steht im folgenden Artikel nicht): Der Veggie-Tag war ein riesiger Erfolg. Es wurden nicht weniger Essen verkauft als sonst, dagegen war die Protestaktion der Juristen (der Plan vor der Mensa 1000 Würstchen zu verkaufen) ein großer Flop. Wir waren mit viel Info-Material vor Ort und ich habe in der Mensa selten so gute Gespräche verfolgt. Die allermeisten fanden die Sache gut; dagegen war nur eine kleine Minderheit — aber die hat ganz schön laut geschrien. Kurz: Ich bin sehr überzeugt von der Idee. Ob aber so etwas auf die Bundesebene gehört, ist eine andere Frage. Continue reading

Konsumkritik und Werbung

Wachstumskritik kommt um Konsumkritik nicht herum. Denn Wirtschaftswachstum bedeutet die Produktion von immer mehr Gütern und Dienstleistungen in der selben Zeit, und die nun mehr produzierten Waren müssen konsumiert werden. Wachstumskritiker_innen wie Niko Paech fordern daher weniger oder anderen Konsum und nehmen damit direkt die Verbraucher_innen und ihr alltägliches Verhalten in die Verantwortung.

Eine Initiative (das “Amt für Werbefreiheit”) aus Berlin-Kreuzberg engagiert sich für ein werbefreies Berlin. In ihrer Begründung schließt die Initiative direkt an wachstums- und konsumkritische Argumentationen an: Werbung habe das Ziel Menschen zum Konsum von immer mehr Waren zu manipulieren. Und der wachsende Verbrauch von Waren stehe den Zielen Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit entgegen. “The goal of advertising is to sell more stuff to more people more often for more money” wird der ehemaligen Marketing-Direktor von Coca-Cola zitiert.

Wie problematisch stetig steigender Konsum und die zunehmende Durchdringung von immer mehr Lebensbereichen durch Werbung ist, steht außer Frage. Allerdings stehen die Initiatoren vor einem nicht zu unterschätzenden Abgrenzungsproblem: nicht jeglicher Konsum wird problematisiert. Es geht dem “Amt für Werbefreiheit” nicht darum, Informationen (oder Werbung?) für kulturelle Veranstaltungen oder ähnliches zu verbieten. Sie meinen natürlich Werbung für Axe (sexistisch), Roundup (umweltschädlich) oder Continue reading