Bildung als Sozialpolitik?

Zunächst muss klargestellt werden: Dass dies ein bildungskritischer Blog ist, bedeutet nicht, dass ich gegen Bildung bin. Für Bildung ist heute jede_r, und ich reihe mich mit bestem Wissen und Gewissen ein.

Allerdings: Bildung wird heute kaum mehr als Eigenwert verstanden (wie beispielsweise bei Dahrendorf (1965) als Bürgerrecht). Statt dessen wird Bildung als Mittel diskutiert. Denn gebildeten Menschen geht es meist besser: sie sind seltener arbeitslos, rauchen weniger, leben gesünder, sind politisch interessierter, häufiger ehrenamtlich engagiert und werden seltener kriminell als Ungebildete. Dieses (tatsächlich empirisch gesicherte) Wissen ist heute so weit verbreitet, dass Bildung zunehmend als Schlüssel aller möglichen sozialen Probleme angesehen wird. Bildung wird zur besseren Sozialpolitik. Wer die aktuellen Debatten verfolgt wird sehen: diese positiven Folgen von Bildung sind der eigentliche Grund, warum plötzlich alle nach mehr Bildung rufen, quer durch alle Parteien und politischen Lager. „Bildung ändert alles“ plakatiert die Kindernothilfe paradigmatisch für den aktuellen Diskurs.

Und genau hier sollte der kritische Beobachter aufhorchen. Sozialpolitik tangiert immer Interessen und ist nicht umsonst ein gesellschaftlich hochgradig umkämpftes Feld. Eine sozialpolitische Maßnahme der alle (!) politischen Lager zustimmen, kann es eigentlich gar nicht geben. Mit Bildung scheint nun aber nun eine Wunderwaffe gegen (fast) alle sozialen Probleme gefunden, die auch noch alle befürworten. Kann das sein? Continue reading